Während
meinen Tagen im Aoraki/Mt Cook National Park konnte ich natürlich
nicht wiederstehen, nochmal auf eine Hütte zu wandern. Dieses Mal
sogar eine richtig Berghütte auf 1800 Metern Höhe, die Mueller Hut.
Manche Leute
laufen da innerhalb weniger Stunden hoch und wieder runter. Kann man
machen, muss man aber nicht. Ich wollte unbedingt die Nacht oben in
den Bergen verbringen.
Und so
machte ich mich letzte Woche Freitag (28. März) vormittags auf den
Weg. Vom Hostel aus ging es zunächst durch die Wiesen des Tals in
Richtung Campingplatz und von dort weiter auf den Sealy Tarns Track.
Bevor ich mich jedoch auf diesen wundervollen Weg begab, machte ich
noch einen Abstecher zum Kea Point, einem Aussichtspunkt quasi auf
dem Weg. Vom Kea Point kann man wundervoll auf den See des Mueller
Gletschers gucken, hoch ins Hooker Valley und somit auch hoch zu
Aoraki. Dazu kommen dann noch Mt Sefton und The Footstool mit ihren
hängenden Gletschern und das untere Ende des Mueller Gletschers plus
Moränen. War da schon schön!
Mit Musik im
Ohr und wunderschönen Ausblicken auf die Täler und Berge war es im
Endeffekt aber jede einzelne verfluchte Stufe wert. Die Aussichten
waren wirklich unbeschreiblich schön und auch die Kamera kann das ja
alles nicht so festhalten, wie es wirklich aussah und auf einen
wirkte. Traumhaft!
| So nett und harmlos fing der ganze Spaß an ... |
| Sealy Tarns <3 |
Tjaja. Dann
dachte ich ja 'Jo, Stufen vorbei! Jetzt geht’s weiter zur
Hütte!' Hmm, Lena, genau. Sage
und schreibe fünf Minuten später wollte ich die Stufen wieder
haben.
Die
Seen sind wie gesagt auf halber Strecke hoch zur Hütte und die
Endstation der Stufen. Alles, was weiter oben ist, ist nur noch durch
eine Route zu
erreichen, was so viel bedeutet wie „Ein Strecke den Berg
hoch, kein wirklich ausgebauter Weg, eher Trampelpfad, steil, Felsen
zum Drüberklettern, Steinfelder, Schotterhänge – wir haben
orangefarbene Marker aufgestellt, sodass Ihr den Weg findet – Have
fun!“ Hmm. Traum! Die ersten
zwei Felsen hatte ich mit meinem großen Rucksack wirklich noch
Freude am Klettern, dann merkte ich, dass die weitere Strecke genauso
aussehen würde und ich noch einige hundert Höhenmeter zu überwinden
hatte. Dennoch ging es für mich stetig weiter, ein Fuß vor den
nächsten. Motivierende Musik, einmalige Ausblicke, die Vorfreude auf
die Hütte und andere Wanderer machten das ganze allerdings
erträglich. Zwei ältere Männer aus England boten mir, ganz
gentlemanlike sogar an, meinen Rucksack für mich zu tragen. Ziemlich
süß, aber wenn, dann wollte ich das ganze doch alleine bewältigen
und mein „Trust me, you don't want to carry that!“
hat sie dann doch überzeugt, haha. Leider hab ich sie an der Hütte
nicht mehr gesehen, die beiden schulden mir noch ein High Five dafür,
dass ich letztendlich wirklich oben angekommen bin. Nachdem ich auf
der fast vertikalen Schotterpiste fast gestorben wäre, alle drei
Felsbrocken eine Pause gemacht habe und wirklich auf allen Vieren da
hochgekrochen bin. Natürlich waren auch den ganzen Tag Menschen auf
dem Track unterwegs, nur in diesen gefühlten Ewigkeiten am Hang war
ich komplett alleine. Nette Sache.
ABER!
I
made it! Und das Gefühl, oben auf dem Grat zu stehen und zu wissen,
dass man die meisten Höhenmeter wirklich hoch geklettert ist, dass
man gaaaaanz da unten im Dorf angefangen hat und jetzt hier oben
steht, dass man es geschafft hat, aus eigener Kraft – besser als
man es in Worte fassen kann. Alles was ich auf meinen Kopfhörern
hören wollte, war On Top of The World,
haha.
Von dort oben war es noch eine gute Viertelstunde über Felsbrocken
und mit Ausblicken auf den Mueller Gletscher und das Tal auf der
anderen Seite des Grates bis hoch zur roten Mueller Hut. Wie ich mich
gefreut habe, als sie plötzlich vor mir lag!
| Ja, das war der Weg - |
| - und hier gings hoch. |
| Der Schotterhang. Yeeeeeah ... nah. |
| DONE! :) |
Den restlichen Nachmittag verbrachte ich mit Lesen, schreiben, Berge
angucken, Lawinen auf den Gletschern beobachten, an die Ränder der
Abgründe rundrum klettern und mir alles anschauen. Leider wurde das
Wetter schlechter und Sonnenuntergang und – aufgang am nächsten
Morgen waren jetzt nicht die spektakulärsten. Sie waren viel eher
grau. Aber dennoch hatten wir einen guten Abend auf der Hütte. Alles
voll, 30 Leute, eine Gitarre, Geplapper in sämtlichen Sprachen.
Israelis, Franzosen, Kiwis, Deutsche, von allem ein bisschen.
Samstagmorgen packte ich nach dem Frühstück dann in aller Ruhe
meinen Rucksack, zog mich dick an (es war ziemlich windig) und begab
mich auf den Rückweg. Gleich Strecke. Man stelle sich meine
Vorfreude auf die 2200 Stufen vor. Und erst die auf den Schotterhang.
Oh, hatte ich Angst. Notfalls, so hatte ich es mir vorgenommen, würde
ich einfach auf meinem Allerwertesten da runterrutschen. War dann
aber doch nicht nötig und ich bewältigte den Abstieg zusammen mit
der Kiwifamilie aus der Hütte. Ganz langsam, aber wir kamen alle
sicher unten an.
Recht
schnell waren wir dann auch schon wieder an den Sealy Tarns und die
Stufen erwarteten mich. Ich versuchte den lieben Menschen, die mir
entgegenkamen, Mut zu machen und sie aufzumuntern. Hat teilweise
wirklich gut funktioniert. Besonders am Anfang („It's
just up there, three more flights of steps!“).
Am Ende der Treppen war ich nur froh, dass es vorbei war und ich
wieder auf relativ gradem Boden stand. Und meine Beine waren am
Zittern. Oh well.
| Die Lage in Mordor wird langsam wirklich kritisch. Keine Ahnung, wo Frodo hin ist ... |
| Rolle Rückwärts - Alles wieder runter. |
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