Samstag, 5. April 2014

Mueller Hut Route

Während meinen Tagen im Aoraki/Mt Cook National Park konnte ich natürlich nicht wiederstehen, nochmal auf eine Hütte zu wandern. Dieses Mal sogar eine richtig Berghütte auf 1800 Metern Höhe, die Mueller Hut.
Manche Leute laufen da innerhalb weniger Stunden hoch und wieder runter. Kann man machen, muss man aber nicht. Ich wollte unbedingt die Nacht oben in den Bergen verbringen.
Und so machte ich mich letzte Woche Freitag (28. März) vormittags auf den Weg. Vom Hostel aus ging es zunächst durch die Wiesen des Tals in Richtung Campingplatz und von dort weiter auf den Sealy Tarns Track. Bevor ich mich jedoch auf diesen wundervollen Weg begab, machte ich noch einen Abstecher zum Kea Point, einem Aussichtspunkt quasi auf dem Weg. Vom Kea Point kann man wundervoll auf den See des Mueller Gletschers gucken, hoch ins Hooker Valley und somit auch hoch zu Aoraki. Dazu kommen dann noch Mt Sefton und The Footstool mit ihren hängenden Gletschern und das untere Ende des Mueller Gletschers plus Moränen. War da schon schön!
Dann gings aber wie gesagt auf den Sealy Tarns Track. Die Sealy Tarns, dass sind ein paar Mini-Seen auf halber Höhe den Berg hoch (also auf über 1000m Höhe oder so). Um zu den Sealy Tarns zu kommen, muss man sich sportlich ein wenig betätigen. Europäische Bergbahnen sind ja nun wirklich purer Luxus – die einfach Strecke kann man genauso gut ja auch einfach mal über Treppen hochlaufen, oder? 2200 Stufen laut Broschüre, couldn't be bothered to count … Da kam Spaß auf! Wo ich ja so unglaublich gerne Treppen hoch laufe. Und wenn ich von „Treppen“ spreche, dann meine ich viel mehr Stufen. In sämtlichen Größen, Abständen und denkbaren Variationen, die meisten aber so steil, dass man davor stand, die Hand ausstreckt und die höchste Stufe berührt. Ja. Freude! Auf einer Seite hatte man dann meistens noch den netten Abgrund und mit meinem großen Rucksack auf dem Rücken war es ein gutes morgendliches Workout. Und entweder hab ich die Qualen der Treppen bei Hamilton und im Tongariro verdrängt, oder sie waren wirklich ein Witz gegen die Sealy Tarns.
Mit Musik im Ohr und wunderschönen Ausblicken auf die Täler und Berge war es im Endeffekt aber jede einzelne verfluchte Stufe wert. Die Aussichten waren wirklich unbeschreiblich schön und auch die Kamera kann das ja alles nicht so festhalten, wie es wirklich aussah und auf einen wirkte. Traumhaft!

So nett und harmlos fing der ganze Spaß an ...
Sealy Tarns <3
An den Sealy Tarns angekommen genoss ich eben diese Aussicht erstmal ein bisschen, genauso wie mein, trotz strahlender Sonne und heißen Temperaturen, noch immer kühles Wasser.
Tjaja. Dann dachte ich ja 'Jo, Stufen vorbei! Jetzt geht’s weiter zur Hütte!' Hmm, Lena, genau. Sage und schreibe fünf Minuten später wollte ich die Stufen wieder haben.
Die Seen sind wie gesagt auf halber Strecke hoch zur Hütte und die Endstation der Stufen. Alles, was weiter oben ist, ist nur noch durch eine Route zu erreichen, was so viel bedeutet wie „Ein Strecke den Berg hoch, kein wirklich ausgebauter Weg, eher Trampelpfad, steil, Felsen zum Drüberklettern, Steinfelder, Schotterhänge – wir haben orangefarbene Marker aufgestellt, sodass Ihr den Weg findet – Have fun!“ Hmm. Traum! Die ersten zwei Felsen hatte ich mit meinem großen Rucksack wirklich noch Freude am Klettern, dann merkte ich, dass die weitere Strecke genauso aussehen würde und ich noch einige hundert Höhenmeter zu überwinden hatte. Dennoch ging es für mich stetig weiter, ein Fuß vor den nächsten. Motivierende Musik, einmalige Ausblicke, die Vorfreude auf die Hütte und andere Wanderer machten das ganze allerdings erträglich. Zwei ältere Männer aus England boten mir, ganz gentlemanlike sogar an, meinen Rucksack für mich zu tragen. Ziemlich süß, aber wenn, dann wollte ich das ganze doch alleine bewältigen und mein „Trust me, you don't want to carry that!“ hat sie dann doch überzeugt, haha. Leider hab ich sie an der Hütte nicht mehr gesehen, die beiden schulden mir noch ein High Five dafür, dass ich letztendlich wirklich oben angekommen bin. Nachdem ich auf der fast vertikalen Schotterpiste fast gestorben wäre, alle drei Felsbrocken eine Pause gemacht habe und wirklich auf allen Vieren da hochgekrochen bin. Natürlich waren auch den ganzen Tag Menschen auf dem Track unterwegs, nur in diesen gefühlten Ewigkeiten am Hang war ich komplett alleine. Nette Sache.
ABER!
I made it! Und das Gefühl, oben auf dem Grat zu stehen und zu wissen, dass man die meisten Höhenmeter wirklich hoch geklettert ist, dass man gaaaaanz da unten im Dorf angefangen hat und jetzt hier oben steht, dass man es geschafft hat, aus eigener Kraft – besser als man es in Worte fassen kann. Alles was ich auf meinen Kopfhörern hören wollte, war On Top of The World, haha.
Von dort oben war es noch eine gute Viertelstunde über Felsbrocken und mit Ausblicken auf den Mueller Gletscher und das Tal auf der anderen Seite des Grates bis hoch zur roten Mueller Hut. Wie ich mich gefreut habe, als sie plötzlich vor mir lag!

Ja, das war der Weg -
- und hier gings hoch.

Der Schotterhang. Yeeeeeah ... nah.
DONE! :)
Den restlichen Nachmittag verbrachte ich mit Lesen, schreiben, Berge angucken, Lawinen auf den Gletschern beobachten, an die Ränder der Abgründe rundrum klettern und mir alles anschauen. Leider wurde das Wetter schlechter und Sonnenuntergang und – aufgang am nächsten Morgen waren jetzt nicht die spektakulärsten. Sie waren viel eher grau. Aber dennoch hatten wir einen guten Abend auf der Hütte. Alles voll, 30 Leute, eine Gitarre, Geplapper in sämtlichen Sprachen. Israelis, Franzosen, Kiwis, Deutsche, von allem ein bisschen.

Mueller Glacier
Samstagmorgen packte ich nach dem Frühstück dann in aller Ruhe meinen Rucksack, zog mich dick an (es war ziemlich windig) und begab mich auf den Rückweg. Gleich Strecke. Man stelle sich meine Vorfreude auf die 2200 Stufen vor. Und erst die auf den Schotterhang. Oh, hatte ich Angst. Notfalls, so hatte ich es mir vorgenommen, würde ich einfach auf meinem Allerwertesten da runterrutschen. War dann aber doch nicht nötig und ich bewältigte den Abstieg zusammen mit der Kiwifamilie aus der Hütte. Ganz langsam, aber wir kamen alle sicher unten an.
Recht schnell waren wir dann auch schon wieder an den Sealy Tarns und die Stufen erwarteten mich. Ich versuchte den lieben Menschen, die mir entgegenkamen, Mut zu machen und sie aufzumuntern. Hat teilweise wirklich gut funktioniert. Besonders am Anfang („It's just up there, three more flights of steps!“). Am Ende der Treppen war ich nur froh, dass es vorbei war und ich wieder auf relativ gradem Boden stand. Und meine Beine waren am Zittern. Oh well.
Die Lage in Mordor wird langsam wirklich kritisch. Keine Ahnung, wo Frodo hin ist ...
Rolle Rückwärts - Alles wieder runter.
Nach meiner Mittagspause am Campingplatz entschied ich mich dann dazu, den Hooker Valley Walk auch gleich noch zu machen. Der hatte kaum Berge und wo ich ja schonmal hier hinten im Tal war, why not? Ging also noch ein paar Stunden weiter wandern, wobei ich von dem ein oder anderen sehr seltsam angeschaut wurde. Während man den Hooker Track gut und gerne auch in Jeans und mit Handtasche machen kann, war ich in meinem allerschönsten Wanderoutfit mit großem Trekkingrucksack unterwegs. #yolo. Ein älterer Kiwi fragte mich sogar, ob ich von einer Hütte im Tal kommen würde. Nein. Aber ich zeigte auf die hohe Bergkette vor uns und sagte ihm, dass ich dort oben heute Morgen angefangen hätte. „Good on ya!“ Größtes Lob auf einer wundervollen Wandertour :) Und ja, doch, ich hatte wirklich Spaß! :)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen