Samstag, 25. Januar 2014

Kayaking im Jurassic Park

An meinem freien Tag am Mittwoch hab ich mich getreu dem Motto 'I'M GOING ON AN ADVENTURE!' mal wieder dazu aufgemacht, Neues in South Westland zu erleben. 

Zusammen mit ein paar anderen Locals und den Leuten von den Glacier Country Kayaks gings morgens raus zum Lake Mapourika, zehn Minuten out of town. Und wie die Überschrift schon vermuten lässt – wir waren Kayak fahren!

Clare, Dale und der Rest der Kayakcrew haben uns freundlicherweise eingeladen, Versuchskaninchen zu spielen und ihr neues Produkt zu testen – eine Kombination aus Kayak fahren und Wandern. Und so gings für uns runter an den See, wo es erstaunlich warm war, im Vergleich zu Franz. Da gabs dann zuerst einmal eine Runde Kayakausrüstung, Lifejackets und warme Regenjacken für alle, bevor sich jeder einzelne von uns dann nochmal vorstellen durfte. I'm Lena, also from Germany, and I work in the petrol station. I've been here almost three months and will leave next month. The usual.

Naja, und dann gings endlich Richtung Wasser, wo allen mit der Einstellung der Kayaks (für die Füße zum Lenken) geholfen wurde, sämtliche Kameras, Wasserflaschen und Regenjacken verstaut wurden und wir mit Paddel ausgestattet raus aufs Wasser geschoben wurden. Meine dritte Kayakerfahrung, ich werde hier noch zum Pro. Ja, die dritte. Nach Hamilton und dem Abel Tasman. Aber dieses Mal erklärte ich mich mutigerweise dazu bereit, in einem Single-Kayak, also ganz allein, zu paddeln. Klingt jetzt eher undramatisch, war aber am Anfang reeeelativ unstabil (nein, ihr dürft nicht lachen, ich bin nicht baden gegangen. Ha!). Ich fand mich für meine zweite längere Tour sogar ziemlich gut in meinem kleinen Bötchen :)

Wir machten also alle unsere ersten - oder wievielten auch immer – Erfahrungen auf Lake Mapourika, tobten uns ein bisschen aus und machten uns dann auf den doch recht weiten Weg auf die andere Seite des Sees, gut zwei Kilometer laut unseren Guides. Von denen waren übrigens fast alle, ganze fünf Leute, mit, sodass der ganze Trip eher was von einem Betriebs-Familien-Ausflug hatte, als von einem harten Arbeitstag. Die haben ehrlich einen super Job da unten!

Auf halber Strecke über den See hat es dann natürlich angefangen ein bisschen zu regnen, Westcoast. Aber ich bin immer noch der Meinung, und Clare hat mir da zugestimmt, dass der Regenwald einfach viel eindrucksvoller und mystischer und dramatischer aussieht, wenn es nebelig und regnerisch ist. Wie die Wolken und Schauer vom entfernten Ende über den Wald zu uns gezogen sind, war schon schön. Und das mein ich wirklich ernst. Wir genossen das Paddeln, Geplauder auf dem Wasser, den Wald und die Southern Alps in unserem Rücken.

Das andere Ufer erreichten wir dann doch schneller als gedacht und nachdem Tyler und Campbell uns aus den Booten geholfen hatten, gings rein in den Urwald. Und wo ich ja vorher schon von dem Gefühl gesprochen habe, im Jurassic Park zu sein – auf meinem Kayaktrip bekam ich endlich die Bestätigung. Der Wald hier wird wirklich als „jurassic rain forest“ bezeichnet und ist so verdammt besonders, das gibt’s gar nicht. Dadurch, dass hier in der Gegend halt keiner den Wald abgeholzt hat oder auch nur Wege angelegt hat, ist er unberührt, unverändert und noch ziemlich genau so, wie er zur Zeit der Dinosaurier überall ausgesehen haben mag. Einfach nur der Hammer. Ich schwöre, hier gibt es keinen einzigen Baum, der einfach nur ein Baum ist. Die Bäume sind miteinander und mit anderen Pflanzen, Lianen und Farnen verwachsen. Da wachsen Büsche auf Bäumen, um deren Stamm sich Ranken winden und von deren Ästen Schlingen bis auf den mit Farnen bewachsenen Boden reichen. Und durch genau diesen Wald ging es dann auf einem frisch angelegten Trampelpfad vorbei an all diesen Naturwundern hin zu einer Lichtung am Kopf einer Halbinsel, von der wir einen super Blick über den Großteil des Sees hatten. Hier gabs dann Lunch – und Schokolade! 

Oh, und Geschichten! Das Team hat uns auf dem gesamten Weg zu Wasser und zu Land Dinge über die Entstehung der Gegend, die Gletscher und den Wald erzählt, zum Lunch gabs dann aber die wahre Geschichte, warum der Kiwi nicht fliegen kann. Schließlich befanden wir uns gerade mitten in der Kiwi Sanctuary, der Schutzzone für die wilden kleinen Kiwis hier im Okarito Forest, unsere geliebten Rowis. Die seltensten Kiwis überhaupt. Zu den süßen Federbällchen aber hoffentlich bald mehr.

Nach unserer Verschnaufpause am Ufer ging es durch den Wald wieder zurück (der Weg sah jetzt schon ausgetretener aus), zurück in die Kayaks und zurück raus aufs Wasser. Leider waren die Berge und das Tal des Franz Josef Glaciers jetzt – wie so oft – in den Wolken und durch den Regen nur noch als Schemen erkennbar, aber wir genossen die Paddelei trotzdem, unterhielten uns ein bisschen mehr und posierten für das ein oder andere nette Kayakfoto, bevor wir uns für ein Gruppenfoto auf dem See aufstellten – und zwei unserer Guides mehr oder weniger freiwillig baden gingen.

Ein super Tag auf dem Wasser und im Wald für mich, ich bin so froh, dass Clare mich letzte Woche auf die Liste geschrieben hat. Und auch wenn die Blasen an meinen Fingern doch etwas schmerzhaft sind – ich würde sofort wieder in ein Kayak steigen und durch die Gegend paddeln. Vor allem, wenn die Gegend so wunderschön ist wie der Westland National Park :)


Mehr Bilder in ein paar Tagen :)

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