Montag, 21. Oktober 2013

The Abel Tasman Experience

Nach fünf Tagen Wanderung durch den Abel Tasman National Park kann ich stolz sagen; I DID IT. Laut DOC (Department of Conversation, die kümmern sich hier um sämtliche Wanderwege und die Natur generell) 54.4 km, ich bin mit den ganzen High-Tide-Walks und Extrawegen aber bestimmt locker über 60 km gelaufen. Und mir geht’s super! Meine Füße tun nur ein bisschen weh, meinem Rücken geht’s klasse – ich war gestern Abend nach meiner Ankunft in Nelson sogar schon wieder laufen mit ein paar Leuten aus dem Hostel. Gutes Leben :)



Aber jetzt erstmal zum Abel Tasman. Leute, ich kann euch sagen – ich habe das Paradies gefunden. Traumhaftschöne Buchte mit feinem goldenen Sand, türkisfarbenes Wasser, Felsen an den Enden, grüner Busch und Dschungel im Rücken – und fünf Tage lang Sonne und strahlend blauer Himmel. Ich hatte ja mal wieder sowas von Glück! Mit allem!


„YOU'RE TEACHING ME PATIENCE TODAY“ - MARAHAU TO ANCHORAGE

Donnerstagmittag, nachdem ich Probleme mit dem Buchen und meiner Kamera und allem anderen hatte und kurz davor war, mich weinend auf den Boden zu schmeißen und aufzugeben (Thanks, Geoff for not letting me, laughing with me and pushing me to carry on! And for the patience! And everything!), hat dann nach einer positive thinking session doch noch alles funktioniert, mein Rucksack war einsatzbereit und ich nach einem belegten Brötchen und Schokolade in Geoffs Auto doch wieder einigermaßen relaxed.

Startpunkt des Abel Tasman Coastal Tracks. Yes!

Geoff war so unglaublich nett und hat mich nach Marahau gefahren, gut 20 Minuten von Motueka. Hier beginnt der Coastal Track ganz offiziell. Ich hab mich also mit meinen Sachen von Geoff verabschiedet, noch ein bisschen umgepackt und mich noch immer leicht gestresst auf den Weg gemacht. Geoff meinte gestern, ich sah echt etwas fertig aus. Und das vorm Start, oh well.
Den Donnerstagnachmittag habe ich dann wandernd auf dem ersten Stück zur Anchorage Bay verbracht. Das sture Laufen war ganz gut, um mich vom Stress der letzten 24h abzulenken und runterzukommen. In der Natur und bei mir selber anzukommen. Und das alles mit Sonnenschein und wunderschönen Stränden, Buchten und Blicken über die Tasman Bay.

Nach drei oder vier Stunden (ich hab in den Tagen echt kaum auf meine Uhr geschaut, wozu auch?) hatte ich dann mein Ziel erreicht – Anchorage. Auch wenn das jetzt echt seltsam klingt und ich mich immer und immer wieder wiederhole – traumhaft, paradiesisch schön! :)
Sunset at Anchorage
Die Hut, also die Hütte für die Wanderer, war riesig und brandneu – noch nicht mal seit einer Woche offen. Ich Glückspilz! Meine erste Mehrtageswanderung, da war ich schon etwas nervös, aber sowas wollte ich echt schon immer mal machen – und ich hab das Gefühl, der Track im Abel Tasman war nicht mein letzter! Auf alle Fälle war Anchorage super! Ich hab mich dann noch in die Fluten der Bucht geworfen, aber es war eiskalt. So schön und sommerlich die Bilder auch aussehen mögen, das Wasser ist momentan so kalt wie nur geht, weil wegen Schnee von den Bergen und abgekühlt vom Winter und so. Aber egal, yolo ;)
Blick vom Hauptgebäude der Anchorage Hut :))
Nach einer ebenso kalten Dusche am Strand und einem weiteren kleinen Spaziergang am Meer, habe ich den Abend dann mit den fünf anderen Leuten in der Hütte verbracht. Ob ihrs mir glaubt oder nicht, ich hab Bohnen mit Tomatensauce und Würstchen aus der Dose gegessen (oh, was ich hier alles esse, wenn ich wieder in Deutschland bin, werdet ihr wahrscheinlich gaaaaar keine Probleme mehr mit mir haben :D), dazu Brot und Käse und Tee. Die zwei Engländerinnen, der Franzose und ich haben den Abend dann mit Rommee spielen verbracht und sind relativ früh ins Bett (ich meine, war ja eh dunkel …)

Meine erste Nacht in einer Hütte war super. Eigener Raum für mich (wie in allen Nächten!), gegen Morgen etwas kalt (auch wie in allen Nächten...) aber zu ertragen – und spätestens beim Sonnenaufgang am Te Pukatea Beach, gut zwanzig Minuten durch den Wald, waren alle Anstrengungen und kleinen Leiden vergessen. Wunder, wunder, wunderschön!
Von der versteckten Bucht bin ich dann mit den zwei Engländerinnen noch einen weiteren Rundweg gelaufen und hab den morgendlichen Blick über Torrent Bay genossen. Ich könnte jetzt noch weiterschwärmen ..
Zurück in der Hut haben wir gefrühstückt, ich hab gepackt und mich langsam aber sicher zur zweiten Etappe auf gemacht.


ANCHORAGE TO BARK BAY

Weil wegen Flut konnte ich nicht den Low-Tide (Ebbe) Track durch die Bucht nehmen, sondern musste einmal komplett außenrum laufen. Fand ich aber nur halb so schlimm, weil ich sowieso die Extratouren zu Cleopatras Pool und den Cascade Falls laufen wollte, die sich auf dem High-Tide (Flut) Track befinden. Außerdem hat man vom High Tide Track super Blicke über Anchorage und Torrent Bay.
Cleopataras Pool
Cleopatras Pool war super! Man läuft einen kleinen Fluss hoch und kommt dann zu großen runden Felsen. Im Sommer kann man hier super baden und es gibt auch eine natürliche Wasserrutsche, ziemlich cool! Aber mir war's leider zu kalt. Ich bin aber die Steine hoch und runter geklettert – und hatte einen kleinen Panikmoment, als ich runter auf einen Felsvorsprung geklettert war und dann feststellen musste, dass ich nicht mehr hochkam, weil die Steine so unglaublich glatt waren. Oh well. Meine Alternative wäre gewesen durchs eiskalte Wasser zu schwimmen, aber glücklicherweise konnte ich an der Seite der Steine doch hochklettern.

Von Cleopatras Pool gings dann über den Track weiter zum Falls River Track. Da ich nicht die 3 Stunden Tour zum Fluss laufen wollte, entschloss ich mich für die kürzere Tour zu den Cascade Falls. Weil der Weg hier wirklich nur noch ein Trampelpfad war und man über Steine und Bäche klettern musste – super Weg! :) - hab ich meinen Rucksack am Anfang des Weges in den Bäumen zurückgelassen und bin mit meiner Kamera los.
Auf dem Track war ich dann wirklich komplett alleine. Weder auf dem Hin- noch auf dem Rückweg ist mir jemand begegnet. Obwohl, doch, mir ist jemand, oder viel mehr, etwas begegnet. Auf halber Strecke zu den Wasserfällen komm ich um eine Kurve – und sehe eine schwarze wilde Ziege auf dem Weg stehen, ein paar Meter von mir entfernt. Sie starrt mich an, ich starre sie an. Sie rennt weg. Mein Puls rast. Was zur Hölle mache ich hier? Ich wedel wild mit den Armen und „ssschsch“e und das Tier ergreift die Flucht. Himmel, denk ich mir, das war … seltsam. Ich laufe langsam weiter, um die Steine an der Ecke rum – und schreie! Das Lamm steht gut zwei Meter von mir weg auf dem Weg und rennt der Mutter hinterher wie sonst was.
Auf den nächsten Metern war mir dann doch etwas mulmig und es hat gestunken wie sonst was (nach Ziege), aber die Aufregung und die Anstrengung waren es wert. Die Wasserfälle waren ziemlich schön (wie alles hier) und im Endeffekt bin ich ja auch für die Abenteuer und die Natur hier – und mehr Natur war ja kaum mehr möglich hier …
Sunrise at Bark Bay

Zurück auf dem Main Track gings dann entspannter weiter zur Torrent Bay, wo ich Mittag machte und mich nett mit einer Kanadischen Familie und einer Schweizerin unterhalten habe – und weil die Welt so klein ist; mit der Schweizerin hab ich heute Morgen hier in Nelson gefrühstückt. Düdüm.
Die Strecke von Torrent zu Bark Bay kannte ich ja schon von meiner Tagestour mit Geoff und Mark, dennoch schön wie immer. An der Sandfly Bay hab ich dann gestoppt und eine Runde in der Sonne gelesen. Zwei Kajaker haben mich nett gegrüßt – und in Bark Bay hab ich die beiden dann wiedergetroffen.
Rich und Nick aus London und Oxford reisen momentan ein bisschen durch Neuseeland und wollten eigentlich campen, haben sich dann aber doch aufgrund des Windes dazu entschieden, zu upgraden und in der Hütte zu schlafen. War mir ganz Recht, ich wäre sonst allein gewesen. :D
Und weil die beiden ja alles im Kajak verstauen konnten, hab ich sogar ein Bier und ein bisschen Wein bekommen :) Und englische Kartenspiele gelernt. Ziemlich gut!


BARK BAY TO AWAROA - „DO YOU WANNA KAJAK?“

Nach dem Abschied am nächsten Morgen (und wiedermal einem wuuuuuunderschönen Sonnenaufgang!) hab ich mich noch etwas in die Sonne ans Wasser vor der Hütte gesetzt und gelesen („Remember – it's a holiday“, Rich).
Tonga Quarry <3
Dann gings über einen echt steilen Berg von Bark Bay zum Tonga Quarry – und da dachte ich dann mal wieder, ich hätte wirklich das Paradies gefunden. Nur wow. Da hab ich mich dann mit drei Kanadierinnen zusammengetan, die ich in Anchorage schon getroffen habe, und wir sind zur nächsten Bucht gelaufen, Onetahuti. Da hab ich auch Nick und Rich wiedergetroffen. Ich wollte eigentlich nur nochmal hallo sagen, da wurde ich schon gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ne Runde Kajak zu fahren. Sie hätten noch eine halbe Stunde Zeit bis sie vom Wassertaxi abgeholt werden würden. Da sagt man ja nicht nein. Also war ich Minuten später draußen in der Tonga Bay, am Paddeln durch das türkise Wasser und mit Blicken über die goldenen Buchten. Hammer!
Mittagspause at Onetahuti Bay, Tonga Island im Hintergrund :)
Ich hab mich tausendmal bei den beiden bedankt und ihnen alles gute gewünscht, bevor ich schwimmen gegangen bin und mit den Kanadierinnen Mittag gegessen habe.
Von Onetahuti ging meine Wanderung am Nachmittag dann über den Tonga Saddle weiter nach Awaroa, wo ich mir in der Lodge einen richtigen Kaffee gegönnt habe und am Strand zur Hut gelaufen bin. Da verbrachte ich die Nacht dann zusammen mit einem älteren Ehepaar aus Schweden, ziemlich nette Leute! Und ich machte wieder Strandspaziergänge und genoss die eiskalte Dusche. Mehr oder weniger.
Kaffeepause :)
Strandspaziergang Awaroa :)
Abel Tasman = Perfektion der Natur auf allen Ebenen ...

AWAROA TO WHARIWHARANGI

Sonntagmorgen gings für mich dann ziiiiiemlich früh los. Da man durch die Bucht von Awaroa nur Laufen kann, wenn das Wasser nicht da ist und Low Tide um 4.36 Uhr morgens war, bin ich um zehn nach sechs in der Dämmerung raus aus der Hut mit all meinen Sachen und hab mich auf die Wanderung quer durch die Bucht gemacht. Und weil da ein Fluss durchfließt, bekommt man immer nasse Füße. War nett kalt. Auf der anderen Seite hab ich mir erstmal trockene Sachen und Schuhe angezogen.
Moonset ...
... and Sunrise at Awaraoa
Weil das Schild sagte, es wäre nur knapp über eine Stunde bis Totaranui, dachte ich mir, okay, frühstückst du da. Unterwegs wollte ich dann an einem Strand stoppen, da war aber keine Bank oder irgendwas und ich dachte ja, ich wäre gleich in Totaranui, also ging ich weiter. Außerdem waren da überall Sandflies, diese miesen Mücken. Der Weg nach Totaranui war aber leider nicht halb so kurz oder flach wie ich gedacht hatte, ein Weg war gesperrt, also musste ich ÜBER den Berg und nicht dran vorbei. Naja, C'est la vie. Mein Frühstück in Totaranui hatte ich mir dann mehr als verdient!
Das auf Berge klettern hat am Ende dann doch immer so seine Vorteile ;)

Totaranuis goldener Strand :)
Von dort gings dann zum wahrscheinlich schönsten Teil des Nationalparks, dem Nordende, in das sich kaum ein Wanderer verirrt – die meisten, die ich getroffen hatte, dachten, der Weg wäre in Totaranui zuende, weil die ganzen Wassertaxis nur bis dahin fahren. Also traf ich noch weniger Menschen als schon zuvor und hatte die wunderschönsten aller Strände im Abel Tasman ganz für mich allein. In Mutton Cove machte ich Mittag, schaukelte am Strand, ging schwimmen (diesmal richtig, nicht nur reinrennen und wieder raus!) und lag lesend in der Sonne. Jake, der DOC Ranger war auch da und hat sich schonmal nett mit mir unterhalten und mir noch viel Spaß auf der Wanderung gewünscht.
Oh, und ich hatte noch einen Besucher. Direkt unten am Wasser kam eine Robbe vorbeigeschwommen. Ich musste zweimal hinschauen, bis ich mir sicher war und hab dann nur gedacht, weil – sowas passiert einem echt nicht jeden Tag. Traumhaft schöner Tag!
Para-Para-Paradise!
Mittagspause at Mutton Cove <3

Von Mutton Cove kletterte ich dann die nächsten Berge hoch und wieder hinunter zum Separation Point, sozusagen der Grenze zwischen Golden Bay und Tasman Bay. Wunderschöne Blicke in beide Richtungen – und noch mehr Robben und Möven und sonstige Wasservögel. Unglaublich schönes Stück Neuseeland!
Separation Point :)

Das letzte Stück vom Separation Point nach Whariwharangi war dann auch kein Problem mehr. Und die Hut dort war komplett anders als die erste in Anchorage. Das Gebäude stammt aus den 1890ern oder so und hat seinen ganz eigenen Charme. Ich sicherte mir eine Matratze im oberen Geschoss, direkt am Fenster – und erfuhr dann von Jake, dass ich die Hütte im Wald diese Nacht ganz für mich allein hätte. Oha. Noch eine Erfahrung.
Aber ich habe überlebt, war wirklich schön. Lesen im Kerzenschein, Ruhe, Natur. Jake hat mir sogar das Feuer angemacht, glücklicherweise. Ich muss das echt noch üben …


THE END – WHARIWHARANGI TO WAINUI

Gestern Morgen hab ich mich nach meinem Frühstück in der Sonne tiefenentspannt auf zur letzten Etappe gemacht. Berg hoch, Berg runter. Hoher Berg. Aber, wie Berge und der Abel Tasman es so an sich haben, die Ausblicke waren der Hammer. Und der Wald war so atemberaubend wie im Rest des Parks. Ich war wirklich wieder und wieder überrascht, wie sie die Landschaft hinter einer Kurve innerhalb von Metern komplett verändern kann. Dieses Stück Paradies ist vollkommen zu recht Nationalpark.
Wainui Bay, das Ende der Reise :)
In Wainui wartete ich dann auf meinen Bus, las noch eine Runde und fand mich bald darauf in Takaka wo ich auf den nächsten Bus nach Motueka wartete.
Geoff hatte mir geraten, nicht das Boot von Totaranui zurückzunehmen, sondern Bus zu fahren und ich bin soooo froh, dass ich das gemacht habe! Ich hatte ehrlich gesagt nichts erwartet – und wurde wieder total von der Landschaft hier überrumpelt. Nach den Buchten vom Vormittag fand ich mich gegen Mittag auf einer Serpentinenstraße wieder, die hoch in die Berge führte, mit Blicken über noch mit Schnee bedeckte Bergspitzen. Traumhaft. Wirklich.


„LOOK, SHE IS STILL SMILING FROM ONE EAR TO THE OTHER“

Zurück in Motueka wurde ich netterweise von Geoff abgeholt, durfte duschen, meine Sachen umpacken und bekam sogar noch einen Kaffee :) Geoff war echt begeistert, wie glücklich ich aussah – das muss echt ansteckend gewesen sein, ich hab ihn vorher noch nie so lange am Stück grinsen sehen, glaub ich :D
Nach einem herzlichen Abschied und dem Versprechen – oder der Drohung – mal wieder vorbeizukommen, falls ich nochmal in der Gegend bin, nahm ich am Nachmittag den Bus von Motueka nach Nelson, wo ich Franzi im Hostel wiedertraf.
Ich hatte kaum Zeit irgendwie zur Ruhe zu kommen, da fand ich mich schon mit ein paar Leuten aus dem Hostel beim Abendessen wieder und kurz darauf kletterten wir auf einen Berg hier in der Nähe – hoch zum Centre of New Zealand, dem Mittelpunkt des Landes. Schöner Sonnenuntergang und ein super Gefühl, mal wieder unter Menschen zu sein :)

Nach etwas Schlaf in einem richtigen Bett und Telefonaten, steht jetzt mein Plan für die nächsten Tage und Wochen soweit. Ich muss noch die Busse und alles buchen, aber ich mache mich jetzt wirklich die Westküste runter. Über Murchison und Punakaiki geht’s nach Franz Josef, wo ich ab Freitag (yes, Geburtstag! ;P) für mindestens zwei Wochen im YHA Hostel arbeiten kann :) Und dann geht’s wahrscheinlich weiter nach Queenstown oder Wanaka, wo ich den Sommer verbringen will, wenn alles so klappt, wie ich das hoffe. Aber wird’s. Positive Thinking. Läuft super hier, keine Sorge! Beste Wünsche & seid nicht zuu neidisch ;)
Liebe,
Lena

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