Spätestens heute habe ich mich
endgültig in das Land und seine Bewohner verliebt. Es ist einfach
ein Traum, hier zu sein, und zu spüren, wie die Menschen drauf sind.
Gestern Abend hat ein alter Freund von
Nan angerufen und gesagt, der Himmel wäre zur Abwechslung mal
wolkenfrei und klar, wir könnten also vorbeikommen. Mit Tony, dem
Anrufer aus Kerikeri, wollten wir uns eigentlich schon letzte Woche
treffen, ging aber eben wegen Wolken nicht. Warum Wolken ein Problem
sind?
Tony hat sich eine kleine Sternenwarte
in den Garten gebaut.
Als Nan uns sagte, sie würde jemanden
kennen, der uns die Sterne zeigt, dachten wir eigentlich an ein
Teleskop im Wohnzimmer oder so, aber nein, Tony hat wirklich eine
Sternenwarte, wie man sich das eben vorstellt. Zwar klein, aber mit
Kuppeldach, das man öffnen und drehen kann. Und ein großes
Teleskop! Was ein Traum! Mehrfache Verspiegelung zur Vergrößerung,
findet die Sterne automatisch (wenn man weiß, wie man die
Schalttafel bedient …) und hat ungefähr den Wert eines Neuwagens,
so Tony.
Und so brachte er uns gestern Abend zum
Mond, erklärte uns den Himmel der Südhalbkugel, zeigte uns helle
Sterne, ferne Galaxien und den Saturn! Eine einmalige und wunderbar
bezaubernde Erfahrung! Traumhafte Einblicke in das All, Unterricht in
Sachen Navigation am neuseeländischen Himmel (ich finde den Südpol
jetzt auch problemlos im Dunkeln!) und wiedermal ein super Abend! Oh,
und ich habe zum ersten Mal mein Sternzeichen, den Skorpion am
Himmel gesehen. Den werde ich auch definitiv wiederfinden!
Aber Nan wollte mit uns nach dem
Frühstück ihre Freunde Hazel und Neil besuchen und uns auf eine
Wandertour schicken. Also machten wir uns auf den Weg Richtung Westen
und die Umgebung von Horeke. Bei Serpentinenstraßen und Kühen auf
den grünen Berghängen kam ich mir ein bisschen vor wie im Allgäu
;D
In einem der Täler fanden wir dann das
Haus von Hazel und Neil, wurden kurz von Neil begrüßt und schnell
auf unsere Wandertour geschickt, damit wir auch ja vorm Lunch zurück
seien.
Davon ausgehend, dass diese Wanderung
das Highlight unseres Tages gewesen war, machten wir uns gut gelaunt
auf den Rückweg ins Tal, wo uns ein ausgesprochen gutes Mittagessen
von Hazel erwartete. Kürbissuppe, Tomatensuppe, Brot, Ham&Egg
Pie, Käse, Marmelade, Orangen … Sehr, sehr lecker!
| Recently in Middle-earth ... |
Wie unterhielten uns mit Hazel, die
ursprünglich aus Kent, England kommt, und ihrem Mann, zeigten im
Atlas, wo wir herkommen und lauschten einmal mehr den
Lebensgeschichten fremder Menschen, die uns mit sehr viel
Herzlichkeit bei sich begrüßten. Wundervoll!
Nach dem Mittagessen wollten die beiden
dann, dass wir sie bei ihrer Arbeit unterstützten, Hazel sagte aber
sofort, wir sollten unsere Kameras nicht vergessen. Hmm, was kommt
jetzt?
| So macht man aus zwei Säcken Wolle einen. Schon seit Jahrzehnten ;D |
Einige haben mich ja schon gefragt, ob
ich schon Schafe geschert habe. Nein. Immer noch nicht. Aber
zumindest kann ich jetzt schonmal damit angeben, dass ich Wolle
zusammengepresst habe. 200kg. Mit einer Maschine, die man laut Hazel
nur noch in Pubs als Deko oder im Museum findet (und die vielleicht
auch nicht mehr ganz sooo den modernen allgemeinen
Sicherheitsanforderungen entspricht...). Wiedermal eine Erfahrung
mehr, die wir so schnell nicht vergessen werden – aber die
Anstrengung hat auf alle Fälle viel Spaß gemacht und war in dem
über 100 Jahre alten Gebäude absolut einmalig. Sowas darf man nicht
alle Tage machen!
Und das sollte noch nicht alles gewesen
sein. Nachdem die beiden uns das alte Wohnhaus/ jetzige
Schafscherhaus ausführlich gezeigt hatten und wir uns in Hazels
Gästebuch verewigt hatten, fragte sie uns auf dem Weg nach draußen,
ob wir schonmal Quad gefahren sind.
Nein.
Okay, dann machen wir jetzt schnell
nochmal eine kurze Tour, bevor ihr mit Nan wieder weiter müsst.
Ohhhhhh-kay! Also gings direkt weiter
ins nächste Abenteuer. Quadtour mit Hazel. Vom Hof, über die
Straße, durch den Matsch, durch den Fluss, über die grünen Wiesen
– und wieder zurück. Ja, DURCH den Fluss. So klasse! Hat
unglaublich viel Spaß gemacht und daran könnte man sich bei
weiteren Farmstays sicherlich gewöhnen! :D
| Ganz normaler Nachmittag :) |
Zurück auf ihrem Hof (das Gelände
rundrum gehört ihnen ja auch), mussten wir auch gleich wieder los,
weil Nan noch einen Termin in Kerikeri hatte. Also wurden wir von
Hazel und Neil, die wir vor drei Stunden erst kennengelernt hatten,
herzlich umarmt und verabschiedet – und bekamen sogar noch ein
kleines Geschenk mit auf unsere Reise.
Man muss die Menschen einfach mögen,
ihre Offenheit, Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit sind unglaublich
und bezaubernd!
Und Hazel hat uns noch einen heißen
Tipp mit auf unsere Reise gegeben;
„If somebody asks you 'Have you
driven a Bulldozer?' or 'Have you seen that special place?', say
'No', go, and do it!“
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