Donnerstag, 15. August 2013

Vom Sternezählen & den ganz normalen Abenteuern

Spätestens heute habe ich mich endgültig in das Land und seine Bewohner verliebt. Es ist einfach ein Traum, hier zu sein, und zu spüren, wie die Menschen drauf sind.
Gestern Abend hat ein alter Freund von Nan angerufen und gesagt, der Himmel wäre zur Abwechslung mal wolkenfrei und klar, wir könnten also vorbeikommen. Mit Tony, dem Anrufer aus Kerikeri, wollten wir uns eigentlich schon letzte Woche treffen, ging aber eben wegen Wolken nicht. Warum Wolken ein Problem sind?
Tony hat sich eine kleine Sternenwarte in den Garten gebaut.
Als Nan uns sagte, sie würde jemanden kennen, der uns die Sterne zeigt, dachten wir eigentlich an ein Teleskop im Wohnzimmer oder so, aber nein, Tony hat wirklich eine Sternenwarte, wie man sich das eben vorstellt. Zwar klein, aber mit Kuppeldach, das man öffnen und drehen kann. Und ein großes Teleskop! Was ein Traum! Mehrfache Verspiegelung zur Vergrößerung, findet die Sterne automatisch (wenn man weiß, wie man die Schalttafel bedient …) und hat ungefähr den Wert eines Neuwagens, so Tony.
Und so brachte er uns gestern Abend zum Mond, erklärte uns den Himmel der Südhalbkugel, zeigte uns helle Sterne, ferne Galaxien und den Saturn! Eine einmalige und wunderbar bezaubernde Erfahrung! Traumhafte Einblicke in das All, Unterricht in Sachen Navigation am neuseeländischen Himmel (ich finde den Südpol jetzt auch problemlos im Dunkeln!) und wiedermal ein super Abend! Oh, und ich habe zum ersten Mal mein Sternzeichen, den Skorpion am Himmel gesehen. Den werde ich auch definitiv wiederfinden!

Aber das war eben gestern. Der Tag heute begann wie des öfteren in den letzten Tagen: Skypen, Frühstücken, Küche aufräumen. Und wie immer hatte ich nicht wirklich eine Ahnung, was mich heute wieder erwarten würde. Gestern haben wir angefangen, Marmelade zu machen, also dachte ich, damit geht’s wohl weiter, Rucksack packen, vielleicht was aufräumen.
Aber Nan wollte mit uns nach dem Frühstück ihre Freunde Hazel und Neil besuchen und uns auf eine Wandertour schicken. Also machten wir uns auf den Weg Richtung Westen und die Umgebung von Horeke. Bei Serpentinenstraßen und Kühen auf den grünen Berghängen kam ich mir ein bisschen vor wie im Allgäu ;D
In einem der Täler fanden wir dann das Haus von Hazel und Neil, wurden kurz von Neil begrüßt und schnell auf unsere Wandertour geschickt, damit wir auch ja vorm Lunch zurück seien.
Also begannen Lena und ich unsere Tour auf den Berg der Familie. Scheint hier normal zu sein einen Berg zu besitzen. Dieser war ziemlich steil, sehr matschig und voller Schafe, hatte aber einen Pfad zur Spitze, nicht so wie unser Berg bei Nan. Auf unserem Weg nach oben hielten wir immer wieder inne und genossen den Blick über das, was Mittelerde wirklich ziemlich nahe kommt. Oben fanden wir höchst interessante Steinformationen (ja, hier liegen wirklich ÜBERALL einfach Steine in der Gegend rum. Mitten auf dem Berg. So wie's aussieht, sind die bei den Vulkanausbrüchen vor ewigen Zeiten überall hingeschleudert worden …).
Und außerdem fanden wir einen weiteren unglaublichen Ausblick über die Gegend, diesmal eben Hokianga und die Ausläufer der Westküste. Und direkt unter uns, mal wieder, das Auenland. Mit grünen Wiesen, Bachläufen, Teichen und Bäumen. Unglaublich.
Davon ausgehend, dass diese Wanderung das Highlight unseres Tages gewesen war, machten wir uns gut gelaunt auf den Rückweg ins Tal, wo uns ein ausgesprochen gutes Mittagessen von Hazel erwartete. Kürbissuppe, Tomatensuppe, Brot, Ham&Egg Pie, Käse, Marmelade, Orangen … Sehr, sehr lecker!
Recently in Middle-earth ...
Wie unterhielten uns mit Hazel, die ursprünglich aus Kent, England kommt, und ihrem Mann, zeigten im Atlas, wo wir herkommen und lauschten einmal mehr den Lebensgeschichten fremder Menschen, die uns mit sehr viel Herzlichkeit bei sich begrüßten. Wundervoll!
Nach dem Mittagessen wollten die beiden dann, dass wir sie bei ihrer Arbeit unterstützten, Hazel sagte aber sofort, wir sollten unsere Kameras nicht vergessen. Hmm, was kommt jetzt?
So macht man aus zwei Säcken Wolle einen.
Schon seit Jahrzehnten ;D
Einige haben mich ja schon gefragt, ob ich schon Schafe geschert habe. Nein. Immer noch nicht. Aber zumindest kann ich jetzt schonmal damit angeben, dass ich Wolle zusammengepresst habe. 200kg. Mit einer Maschine, die man laut Hazel nur noch in Pubs als Deko oder im Museum findet (und die vielleicht auch nicht mehr ganz sooo den modernen allgemeinen Sicherheitsanforderungen entspricht...). Wiedermal eine Erfahrung mehr, die wir so schnell nicht vergessen werden – aber die Anstrengung hat auf alle Fälle viel Spaß gemacht und war in dem über 100 Jahre alten Gebäude absolut einmalig. Sowas darf man nicht alle Tage machen!

Und das sollte noch nicht alles gewesen sein. Nachdem die beiden uns das alte Wohnhaus/ jetzige Schafscherhaus ausführlich gezeigt hatten und wir uns in Hazels Gästebuch verewigt hatten, fragte sie uns auf dem Weg nach draußen, ob wir schonmal Quad gefahren sind.
Nein.
Okay, dann machen wir jetzt schnell nochmal eine kurze Tour, bevor ihr mit Nan wieder weiter müsst.
Ohhhhhh-kay! Also gings direkt weiter ins nächste Abenteuer. Quadtour mit Hazel. Vom Hof, über die Straße, durch den Matsch, durch den Fluss, über die grünen Wiesen – und wieder zurück. Ja, DURCH den Fluss. So klasse! Hat unglaublich viel Spaß gemacht und daran könnte man sich bei weiteren Farmstays sicherlich gewöhnen! :D
Ganz normaler Nachmittag :)
Zurück auf ihrem Hof (das Gelände rundrum gehört ihnen ja auch), mussten wir auch gleich wieder los, weil Nan noch einen Termin in Kerikeri hatte. Also wurden wir von Hazel und Neil, die wir vor drei Stunden erst kennengelernt hatten, herzlich umarmt und verabschiedet – und bekamen sogar noch ein kleines Geschenk mit auf unsere Reise.
Man muss die Menschen einfach mögen, ihre Offenheit, Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit sind unglaublich und bezaubernd!
Und Hazel hat uns noch einen heißen Tipp mit auf unsere Reise gegeben;

„If somebody asks you 'Have you driven a Bulldozer?' or 'Have you seen that special place?', say 'No', go, and do it!“

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